Wie an der Tabelle unten zu sehen ist, kommt dem Informatikunterricht eine maßgebliche Rolle an unserer Schule zu: Hier werden die Grundlagen für den Kompetenzerwerb gelegt, die dann in den unterschiedlichen Fächern durch Anwendungsaufgaben aufgegriffen und vertieft werden. Die Schülerinnen und Schüler wenden ab Jahrgang 7 Standardfunktionen von Betriebssystemen, Textverarbeitung, Präsentationssoftware, Bildbearbeitungs-, Video- und Audioprogrammen auch und gerade neben dem Informatikunterricht an (vgl. Digitaler Wandel, 20). So fördern (Bildbearbeitungs-, Video- und Audioprogramme) Web-2.0-Technologien im Unterricht den produktiven, reflektierten und kritischen Umgang von Schülerinnen und Schülern mit digitalen Medien (vgl. Medienkompetenzförderung, 47). Deshalb werden schon heute im Kunst- und Musikunterricht die Schülerinnen und Schüler zu „Prosumenten“, indem sie ihre, den Unterrichtseinheiten entspringenden Produkte auf geeigneten Plattformen im Internet (Schulhomepage, Vimeo) veröffentlichen. Die Stärken dieses Ansatzes liegen vor allem in der eigenen Diagnose von Fähigkeiten und Fertigkeiten, der individuellen Zielvereinbarung mit der Lehrerin / dem Lehrer, der Gestaltung des Lernarrangements und der Reflexion des Erreichten (Tschekan, 9). Neue Technologien unterstützen den Lernprozess insofern, als die Auswahl der Medien individuell zugeschnitten sind. Diesen Ansatz hatte unsere Schule auf unterschiedlichen Wegen verfolgt und verfolgt ihn weiterhin. Wie sich die Entwicklung der Hardware und unsere Mediendidaktik über die 15 Jahre entwickelt haben, soll hier kurz nachgezeichnet werden.

1.  Hardwareentwicklung

Im Jahr 2003 verfügte die Schule über ein Konvolut von Desktop PCs mit Windows 98 sowie den Programmen Word und Excel. Es waren keine baugleichen Rechner, viel- mehr handelte es sich hierbei um ausrangierte PCs, die aus Privathaushalten stammten. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten zu der Zeit sporadisch an den Computern.

2005 schafften wir dann 30 Siemens Nixdorf Scenic Pro 5 an, die in einem Peer-to-Peer Netzwerk verbunden wurden. Wir bestückten die Desktop-PCs mit dem Software-Paket Class-in-a-Box vom Cornelsen Verlag. Jetzt war es möglich Daten zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen über ein Peer-to-Peer via LAN auszutauschen. An eine pädagogische Oberfläche war damals noch nicht zu denken, auch eine Internetanbindung gab es noch nicht.

2007 kamen dann die ersten Laptops zum Einsatz, nämlich zunächst 16 Amilo Pro V8210 von Fujitsu Siemens. Kurze Zeit später schafften wir den ersten Server an, der als Domänen Controller fungierte und den inzwischen installierten Internetzugang managte. Das LAN wurde durch ein WLAN Netzwerk-Ausbau mit Netgear WG103 – ProSAFE Wireless-Access-Point (2,4 GHz) Komponenten erweitert. In der Folge wurden mehr Laptops angeschafft, 2010 tauschten wir die Netgaer-Access-Points, die schon an mehreren Stellen des Schulhauses installiert waren, durch Netgear-Wireless-G54-Access-Point WG 602 V3 aus.

Leider war die Nutzung von Laptops mit einem enormen Wartungsaufwand verbunden: es fielen immer mehr Laptops wegen Systemproblemen aus, oft mussten die Tastaturen wieder in Stand gesetzt werden, sodass das System mit hinterher 60 Laptops in 2013 kollabierte.

Im Januar 2009 vervollständigten wir den Ausbau der Klassenräume mit Beamern. Jeder Fachraum und jeder Lehrerraum ist inzwischen mit einem Full-HD-Beamer ausgestattet. Jeder Beamer ist kabelgebunden (vgl. zur Problematik LIT, 15), außer der Beamer im Lehrerraum Jung, der über AppleTV angesteuert wird. Wegen der intensiven  Nutzung der Beamer müssen in etwa zweijährigen Intervallen die Beamer ausgetauscht werden, da oft nicht die Lampen das Problem sind, sondern Hardware-Fehler das Projektionsbild verpixeln.

Seit 2009 nutzten wir die pädagogische Oberfläche Master-Eye (später Netop Vision). Leider kam es immer wieder zu Schwierigkeiten. Mal ließen sich die Arbeitsplätze nicht steuern, mal unterband Master-Eye jedwede Arbeit. Das ging mit einer aufwändigen Fehlersuche einher, sodass wir seit 2013 die Arbeit mit einer pädagogischen Oberfläche anders strukturieren wollten.

Schon seit 2011 arbeiteten wir intern an einem gänzlich neuen System, diesmal mit Unterstützung eines externen IT-Dienstleisters. 2013 dann entschlossen wir uns das gesamte System auszutauschen. Auf dem HP Proliant DL 380 G7 Performance Server virtualisierten wir mittels Academic VMware vSphere 4 Essentials, Microsoft Windows Server 2008 R2 (DHCP-, DNS-, Exchange- sowie Terminalserver), um IGEL-Thin Clients 5/4 5310 LX C7 zu managen, auf denen ein Linux-System lief. Hier sei nur der Form halber erwähnt, dass wir die Schulverwaltungsserver ebenfalls virtualisiert auf dem HP Proliant haben. Da es sich um virtualisierte Maschinen handelt, müssen wir nicht über physische und logische Trennung nachdenken. Vor dem Hintergrund von § 4 DSG NRW (von 2016) und in Anlage zu § 9 Satz 1 BDSG (von 2010) kann keine physische Trennung explizit eingefordert werden (vgl. LIT, 14).

Im Zuge der Umbaumaßnahmen ersetzten wir auch die gesamte WLAN Peripherie: die Netgaer-Access-Points wurden zugunsten eines D-Link DWC 1000-Controllers und durch gemanagte D-Link DWL-8600AP-Access-Points (mit PoE) ersetzt. 

2. Nachhaltigkeit

2016 ersetzen wir das IGEL-System durch HP 260 G2 i3 Business-Geräte, weil die Linux-Umgebung bei den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrerinnen und Lehrern wenig Akzeptanz fand und weil die Performance der IGEL zu wüschen übrig ließ. Die Auswahl der digitalen Endgeräte fiel auf die HP 260 G2 i3-Business-Variante, weil mit der Business-Ausstattung Nachhaltigkeit verbunden ist. Diese kompakten Desktop-Minis können wir dank flexibler Montageoptionen platzsparend hinter den Monitoren verbauen. Die Energieeffizienz ist beachtlich, die HP 260 G2 verbraucht über 50 % weniger Energie als andere Mini-PCs. Die HP 260 G2 können im Vergleich zu Desktop-PCs länger verwendet werden, sodass wir mit wertvollen Ressourcen sorgsamer umgehen. Außerdem schneiden „Mini-PC […] sowohl bei der Treibhausgasbilanz als auch beim Blick auf die Kosten am besten ab.“ (vgl. oeko)

Auf dem Server virtualisierten wir zusätzlich Linuxmuster und konnten so die HP 260 mit einem Windows 7 Betriebssystem und Microsoft Office 2013 steuern. Das führte zu einer deutlich gestiegenen Akzeptanz und wesentlich höheren Performance. Jede Schülerin / jeder Schüler hat einen eigenen Account. Dieser Account kann mittels pä-dagogischer Oberfläche durch die Lehrerin / den Lehrer verwaltet werden. 

3. Phasen der didaktischen Entwicklung und die ICILS-Feldstudie 2018 in Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn

Die didaktische Entwicklung erfolgte an unserer Schule in, grob gesprochen, vier Phasen.

Die erste Phase ist mit der Vermittlung der oben aufgeführten Kompetenzen im Jahr 2008 gestartet. Damals erwarben Andreas Dietrich und Thorsten Wende das Core Certificate des ECDL (European Computer Driving Licence). Seit 2008 ist unsere Schule ohne Unterbrechung akkreditiertes Prüfungszentrum des ECDL. Damals war der Vorteil für unsere Schule der, dass die Übungseinheiten zum ECDL die Standardfunktionen von Betriebssystem, Textverarbeitung, Präsentationssoftware thematisierten. Wir schafften entsprechende Übungsmaterialien aus dem Herdt-Verlag an.

Als zweite Phase ist die Erstellung eines eigenen Stoffverteilungsplans für das Fach Informatik zu kennzeichnen. In einem ersten Zugriff orientierten wir uns 2014 nach der Veröffentlichung des Kernlehrplans Informatik für die gymnasiale Oberstufe an den dort entwickelten Kompetenzen (Argumentieren; Modellieren; Implementieren; Darstellen und Interpretieren; Kommunizieren und Kooperieren) und Inhaltsfeldern (Daten und ihre Strukturierung; Algorithmen; Formale Sprachen und Automaten; Informatiksysteme; Informatik, Mensch und Gesellschaft). So kam es zur Distanzierung zu den Inhalten des ECDL.

Die dritte Phase leiteten wir mit der Veröffentlichung des Kernlehrplans für den Wahlpflichtbereich Informatik an Realschulen von 2015 eine Überarbeitung des schulinternen Stoffverteilungsplans ein. Seit 2014/15 kam es immer häufiger zu (informellen) Absprachen zwischen den Fachbereichen, welche Kompetenzen unsere Schülerinnen und Schüler schon im Fach Informatik erlangt hätten und dementsprechend in anderen Fächern einsetzen könnten. Da Informatik erst ab Jahrgang 7 unterrichtet wird, verzichten wir in der Erprobungsstufe bewusst darauf, die oben angeführten Kompetenzen im didaktischen Sinn zu etablieren bzw. zu erreichen.

Mit der Veröffentlichung dieses Medienkonzepts als Weiterschreibung der didaktischen Arbeit hinsichtlich der Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit neuen Technologien an unserer Schule begann die vierte Phase. Neben den Fachkompetenzen, die bisher verfolgt wurden, gelten jetzt fachübergreifend die Kompetenzen, die den MedienpassNRW einführt. Die Tabelle unter 1.5 stellt zum ersten Mal systematisch dar, welche Kompetenzen mit den Schülerinnen und Schülern in welchem Fach wann erarbeitet bzw. vertieft werden. Damit schaffen wir als Schule Transparenz und Verbindlichkeit. 

Dies beinhaltet auch die „Herausforderung, weil sowohl die bisher praktizierten Lehr- und Lernformen sowie die Struktur von Lernumgebungen überdacht und neu gestaltet als auch die Bildungsziele kritisch überprüft und erweitert werden müssen.“ (KMK, 8) 

Aus dem Grund ist die Ausstattung der Lehrerräume und Fachräume mit zusätzlichen digitalen Arbeitsplätzen, hinzu einer digitalen Lernumgebung, dringend geraten (vgl. unten 2.2.1). Damit ist sichergestellt, dass die Rahmenbedingungen für eine aktive, selbstbestimmte Teilhabe in der digitalen Welt an unserer Schule gegeben sind (vgl. KMK, 11). Wir können hier auf die vorhandene Infrastruktur zurückgreifen, weil wir bei der Vernetzung der IT-Komponenten CAT5 in allen Lehrer- und Fachräumen verwendet haben (vgl. LIT, 15).

2018 nimmt unsere Schule an der International Computer and Information Literacy Study (ICILS) teil. Mit dieser Studie wird untersucht, wie gut die Schülerinnen und Schüler auf ein Leben im Informationszeitalter vorbereitet sind. Dafür werden die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern erhoben und international verglichen. Die Datenerhebung für den Feldtest findet an unserer Schule am 12. Mai 2017 statt. In NRW sind 18 Schulen ausgewählt worden, die für den Feldtest benötigt werden. Diese Studie hat für unsere Schule den Vorteil, dass wir Impulse für die Weiterentwicklung unserer schulischen Rahmenbedingungen ableiten werden können. Dabei werden wir von der Universität Paderborn (Prof. Dr. Birgit Eickelmann) betreut. Im Anschluss (2019) an die Studie erhalten wir eine schulspezifische Rückmeldung. Die KMK bezieht sich bei der Festlegung des Kompetenzrahmens ebenfalls auf die ICILS, hier aber die Untersuchung von 2013.

Wie man sieht, standen seit dem Jahr 2010 und stehen an unserer Schule pädagogische Überlegungen im Vordergrund, wie Medien den Lernprozess so unterstützen können, dass sie den Lernerfolg bestmöglich gewährleisten. Konzeptionell eröffnet uns die ICILS ab 2019 den Blick für didaktische Konsequenzen, dass die innovativen Werkzeuge (z.B. Web-2.0-Technologien) gleichzeitig auch neue Möglichkeiten mit sich bringen, Schülerinnen und Schüler in zukunftsfähige Lern-, Arbeits-, Kommunikations- und Kooperationsformen einzuführen (vgl. Medienkompetenzförderung, 49).

4.  Ausnahmen: Mobile devices

Wir wichen aus didaktischen Erwägungen von dem Konzept der digitalen Arbeitsplätze über LAN für zwei Fächer ab und schafften aus pädagogischen Gründen unterschiedliche mobile devices an.

Für den Technikunterricht im Jahrgang 10 schafften wir im Jahr 2014 einen Laptop-wagen an, der mit Levono Think Pad T410 ausgestattet wurde. Das hat den Hintergrund, dass im Technikunterricht eine Unterrichtseinheit zu CAD angeboten wird. Zum Anschaffungszeitpunkt favorisierten wir noch das IGEL-System. Die Anschaffung der Think Pads wurde notwendig, weil damals das IGEL-System nicht performant war. Diese Lösung behalten wir auch heute neben der stationären Lösung mit digitalen Arbeitsplätzen bei, weil diese pädagogische Entscheidung aus den Inhalten des Technikunterrichts entspringt und zielführend ist. Die Laptops werden über den WLAN-Server gemanagt.

Für den Musikunterricht im Jahrgang 9 schafften wir iPad minis, 16 GB, Version 9.2.1, im Jahr 2016 an. Auch hier wichen wir von unserem Konzept der digitalen Arbeitsplätze ab, die fest installiert sind. Die Abweichung hier hatte ihre Begründung in der Software Garage Band, die für den Musikunterricht benötigt wurde und nur auf iOS bzw. OS läuft. Da aber die pädagogische Entscheidung in Musik getroffen wurde, diese App einzusetzen, reagierten wir flexibel. Die iPads werden über einen Apple-Mini gemanagt.